
Die Ausbildung begann zunächst einmal mit Theorie und den üblichen Formalitäten. Dann
bekamen wir jeder Unterrichtsmaterial, einen Lehrschirm, Helm und Funkgerät zugeteilt;
Utensilien, die wir die ganze Woche brauchen würden; und dann ging es ab in die Turnhalle.
Mit Trockenübungen, wie das richtige Fallen im Notfall, Schirm kennenlernen und handhaben
etc. schloß der erste Tag . Richtiges, spezielles Schuhwerk (Wanderschuhe oder hohe
Sportschuhe sind ungeeignet) konnten wir uns im entsprechenden Shop kaufen. Am nächsten
Morgen gegen 8.30 Uhr trafen wir uns wieder in der Schule und nach kurzer Theorie fuhren
wir, bei strahlenden Sonnenschein und kein Wind, zum Teil mit dem Privatwagen oder mit dem
schuleigenen Bus, bepackt mit sämtlichen Fluggeräten, zum Übungshang.
Dort machten wir die ersten praktischen Erfahrungen mit "unserem" Gleitschirm.
Aufziehübungen auf der großen Landewiese waren angesagt. Doch bei fast Nullwind und
Nullahnung eine anstrengende Sache. Ein flehender Blick, ein Hilferuf in Richtung
Ausbilder waren an der Tagesordnung. Auspacken, auslegen, angurten. Welch ein Gewirr von
Leinen, wie muß ich mich richtig angurten, was ist oben und was unten, wie ging das noch,
was hatte der Ausbilder gesagt, wie sollte ich die Gurte aufnehmen ? Selbst die Tatsache,
das wir die ersten Übungen mit zwei Personen pro Schirm üben sollten, machten die Praxis
nicht einfacher. Aber durch die unermüdliche Ausdauer unseres Lehrteams und den enormen
Lernwillen der Schüler, schafften wir es dann letztlich doch, die Schirme hochzubringen.
Auch in den nächsten Tage sollten wir noch genügend Gelegenheit zum Üben haben. Abends
wurde dann theoretisch gelernt, oft bis nach 19.00 Uhr. Technik, Meteorologie, Luftrecht
und Verhalten in besonderen Fällen. Dann am nächsten Morgen 8.30 Uhr wieder Treffen.
Wenn das Wetter es irgendwie zuließ, fuhren wir sofort nach dem Briefing zum Übungshang.
Nach einer vorgeschriebenen Anzahl von Aufziehübungen, hieß es dann zum erstenmal, rauf
auf den Hang (45m Höhenunterschied) und fertigmachen zum Abflug. Jetzt wurde es spannend.
Einige waren sehr schnell sehr mutig und hatten wenig Probleme beim Start. Dank der
Funkanweisung durch die Lehrer gelangen auch Flug und Landung ohne nennenswerte
Zwischenfälle. Ich, für meinen Fall war nicht so mutig. Es dauerte einige Überwindung
und gute Zusprache bis ich mich zu meinem ersten Start entschied. Doch dann war das Eis
gebrochen. Immer besser lernte ich den Umgang mit meinem Gerüt, und mein Vertrauen in die
Fluglehrer gab mir sehr viel Sicherheit. Nicht jeder Flieger landete immer da, wo er
sollte oder verwechselte im Eifer des Gefechts einfach mal rechts mit links, startete im
Übermut (Kommentar vom Lehrer - spucks Gras aus und komm wieder hoch), versuchte sich in
neuen Spielereien oder setzte sich bei der Landung auf den Stromzaun der Kuhweide. Die
Schadenfreude war herrlich und wurde von niemandem Böse aufgenommen; und Gott sei Dank
ist nie etwas Ernsthaftes passiert.
Am letzten Tag der Ausbildung waren wir dann soweit, daß wir noch gemeinsam einen
Höhenflug unternehmen konnten. Der Wind paßte und wir fuhren alle zum Buchenberg.
(Schneise 300 m Höhenunterschied). Schon bei der Auffahrt mit der Gondel wurde unsere
Gruppe sichtlich stiller. Puh, war das hoch. Theoretisch waren wir ja schon alles
durchgegangen, aber jetzt in der Praxis sah es doch etwas gewaltiger aus. Die Zeit
drängte, der Wind stand gut - also los, wer ist der Erste. Ich nicht!!!
Immer wieder fühlte ich nach dem richtigen Sitz meines Rettungsschirms und ob ich ihn im
Notfall erreichen würde. Irgendwann überwand ich meine Angst und dachte nur noch - wenn
du jetzt nicht augenblicklich fliegst, fährst du mit der Gondel runter und fliegst nie
wieder. Es war ein wunderschöner, kurzer aber aufregender Flug. Selbstverständlich wieder
begleitet durch Funkkontakt bis zur Landewiese. Unter Beifall der Mitflieger unten,
landete ich heil und überglücklich.
Auch Hans hatte die Woche schadlos überstanden. Im Gegensatz
zu mir spürte er noch in der
gleichen Woche den Fliegervirus im Blut und plante die komplette Flugausbildung für das
kommenden Jahr. Den krönenden Abschluß der Grundausbildung bestand in der theoretischen
Prüfung, die sämtliche Schüler unserer Gruppe auch bestanden.
Wir, Hans und ich haben dann im Laufe des Jahres 1999 den Pilotenschein (A-Schein - beschränkt auf Start und entsprechenden Landeplatz) gemacht, uns
eigene Schirme und sämtlichen Zubehör angeschafft und sind seitdem begeisterte Flieger.
Die Schule ist nach wie vor unser Anlaufpunkt, Ansprechpartner und Gesellschaftskreis.
Es hat sich eine große Clique aus "Ehemaligen" gebildet, die sich immer wieder gerne an
diesem schönen Urlaubsort treffen, Freundschaften pflegen, Erfahrungen und Fliegerlatein
austauschen, gemütlich zusammensitzen und natürlich gemeinsam wunderbare Flüge genießen.
Anfang 2002 haben wir unsere Ausbildung um den B-Schein (unbeschränkt z.B. für Streckenflüge) erweitert.
Informationen zur Schulausbildung siehe unser Link: www. erste-daec-..........